Waffenabwehr-Seminare

Die allgemeine Lehre der Waffenabwehr löst in den Kampfkünsten eine außerordentliche Dialektik im Bereich der Selbstverteidigung aus. Viele Anbieter von Selbstverteidigungssystemen vertreten die Ansicht, dass sich die in den Kampfkünsten gelehrten Waffenabwehrtechniken in der Realität nicht bewähren würden, insbesondere die Angriffe durch stilisierte und letztendlich starr verharrende Muster zum Vereiteln geradezu prädestiniert sind. Dies trifft gewiss auch dann zu, wenn der Lehrer es nicht vermag, statt lediglich sein restriktives Repertoire an Selbstverteidigungstechniken zu lehren, seine Schüler auch in realistischer Selbstverteidigung zu unterrichten. Leider trifft es gerade auch im Taekwon-Do tatsächlich zu, dass die meisten Lehrer oder Trainer sich vorrangig entweder dem Wettkampftraining oder aber der Formenlehre verpflichten und Nahkampf sowie Selbstverteidigung nur als „Breitensport“ oder als obligatorische Prüfungsinhalte am Rande unterrichten. Das Ergebnis und die daraus resultierende Kompetenz der Schüler bleibt mangelhaft und bestätigt die Vorurteile jener, die solchen Selbstverteidigungstechniken den realen Charakter aberkennen.

Um realistische Selbstverteidigung zu gewährleisten, werden in unseren Seminaren sämtliche Selbstverteidigungstechniken — ob gegen Angriffe mit oder ohne Waffen — grundsätzlich in den drei Stufen von „minutiöser Erfassung“, „Internalisierung durch Training“ und „Verifizierung durch vereitelndes Wirken des als Aggressor auftretenden Übungspartners“ gelehrt. Denn nur die dynamische und von nicht festgelegten Bewegungsmustern des Aggressors bestimmte Übung bietet eine reale Chance, sich mit dem Ernstfall einigermaßen vertraut zu machen und so die Kontrolle über die Situation innehaben zu können. Vereinfacht dargestellt heißt dies, dass die Verteidigungstechniken in unseren Seminaren auch in den Distanzkampf (Freikampf) integriert werden, indem einer der Antagonisten nicht nur als Aggressor die Waffe führt, sondern auch alle anderen erdenklichen Möglichkeiten des Angriffs durch Hände und Füße in die Übung mit einbezieht.

Die Grundlagen der Waffenabwehr in der Selbstverteidigung werden durch diese Seminare nicht mehr nur als „rein akrobatische Geschicke“ verstanden, welche für Präsentationen oder sportliche Herausforderung genügen müssen, sondern dienen als wesentlicher Bestandteil der Selbstverteidigung für jeden Ernstfall. Denn ebenso wie Tritte zum Kopf, von denen nicht-kampfkünstlerische Selbstverteidigungsvertreter behaupten, sie hätten real keine Chance zu treffen, letztendlich aber selbst bei darauf vorbereiteten und erfahrenen Turniergegnern immer wieder ihre Ziele erreichen, sind Waffenabwehrtechniken erfolgreich einsetzbar, wenn man sie beherrscht.

Unsere Waffenabwehrseminare verfolgen deshalb nicht vorrangig den Zweck, das Technik-Repertoire, wie es für den technischen Rahmen der Ausbildung der meisten Kampfkünste unterrichtet wird, zu erweitern, sondern die Umsetzung der prinzipiellen Waffenabwehrtechniken in Techniken für den Ernstfall. In der Realität, insbesondere unter Berücksichtigung der dynamischen Kontinuität während des Kampfes, können manche technisch hochversierte Handlungsabläufe nicht oder nur mit mangelhaften Erfolgsaussichten durchgeführt werden. Denn während der waffenführende Übungspartner während des Trainings vertraute und meist zuvor abgesprochene und für das Üben angemessen „zweidimensionale“ Angriffsmuster wählt, attackiert der Aggressor in der Realität mit wesentlich komplexeren Angriffsmustern, die er bei Misserfolg immer wieder aufs Neue variiert, bis er sein Ziel entweder erreicht hat, oder vom Verteidiger überwältigt wird. Während einer prinzipiellen Übung führt der Übungspartner beispielsweise die Waffe aus der Ausgangsposition über den zuvor abgesprochenen Weg zum Zielpunkt und verharrt letztendlich in seiner Körperhaltung, solang der Übende seine Verteidigungstechnik übt. Dabei wird die Waffe meist ruhig gehalten, weder versucht der Übungspartner die Waffe zurückzuziehen, um sie erneut einsetzen zu können, noch begegnet er dem Übenden mit Maßnahmen, welche geeignet sind, die Übung zu vereiteln.

Die Realität sieht anders aus. Hier stehen dem Aggressor zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Verfügung, sein Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Er ist nicht nur flexibel in seiner Körperbewegung, sondern auch in seiner Entscheidung, Angriffsmuster zu wandeln oder erneut anzugreifen, falls es dem Verteidiger nicht gelingt, den Übergriff zu beenden. Er kann springen und ausweichen, mit einem Messer im Stakkato zustechen oder einen Schlagstock, nach einem erfolglosen Angriff auf den Kopf des Verteidigers, gegen dessen Beine durchschwingen lassen. Entsprechend fokussieren unsere Seminare die Details, welche unter Berücksichtigung der realen Gegebenheiten erforderlich sind, und vermittelt die Vorgehensweise, traditionelle Waffenabwehrtechniken, wie sie für Ausbildungs- und Prüfungsbelange in den Kampfkünsten unterrichtet werden, zu Realtechniken zu konvertieren.

 

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